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Montag, 15. Dezember 2014

Leben mit RCM



Es wird wohl Zeit meine abschließenden Worte hier drunter zu setzen, für den Fall, dass andere Informationen über RCM suchen.

Wie die meisten wissen, kam Meeko 2010 schon mit ca. 5-6 Jahren zu uns (vielleicht auch älter), er hatte einige Baustellen (FIV; FORL; Polyp im Ohr; CNI) schon mit sich gebracht, die es zu behandeln galt.
Und im Mai 2014 gab es dann die Diagnose RCM.

Ich würde gerne jetzt hier einige Infos und Erfahrungen zusammentragen, die MIR geholfen haben. Es soll kein Patentrezept sein, aber ich weiß, dass ich damals selbst auf der Suche nach Infos und vor allem Erfahrungen war und diese kaum gefunden habe.

Zunächst will ich erstmal ein paar allg. Infos zusammenfassen und gehe dabei dann auf unsere Erfahrungen ein.

Was ist also RCM?

RCM steht für restriktive Kardiomyopathie, es ist eine häufige Herzerkrankung bei Katzen. Genau gesagt eine Herzmuskelerkrankung. Der Herzmuskel versteift sich, so dass das Herz sich nicht mehr mit ausreichend Blut füllen kann, dadurch zu wenig Blut in den Körper gepumpt wird und es sich zurück in den Lungenkreislauf staut.
Im Spätstadium sammelt sich dann Wasser in der Lunge (Lungenödem) oder in der Brusthöhle (Thoraxerguss), dies führt zu Atemnot und Schwäche.
RCM ist eine erworbene Krankheit, sie bildet sich also im Laufe des Katzenlebens. Die Ursache ist bis dato nicht endgültig geklärt.

Was sind die Symptome? Was tue ich im Notfall?

Symptome treten meist erst in den Spätstadien auf. Sprich, wenn es zu Wasseransammlungen in der Lunge oder in der Brusthöhle kommt. Die Katze hat dabei akute Atemnot, die sich schnell verschlechtert. Die Katze fängt an zu hecheln! Hecheln, bei einer Katze, ist nicht normal! In diesen Fällen muss SOFORT gehandelt werden. Am besten fährt man direkt in eine Tierklinik, die über ein Sauerstoffzelt verfügt. Mittels Röntgen wird dann direkt festgestellt ob ein Lungenödem und/oder ein Thoraxerguss vorliegen und dieser muss sofort behandelt werden. Dabei wird die Katze stationär aufgenommen und eine Entwässerungstherapie wird durchgeführt. Auch bei Ohnmachtsanfällen - ein weiteres Symptom - muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Sollte die Katze an einer akuten Lähmung leiden, kann dies ebenfalls ein Zeichen der RCM sein, auch hier ist der Tierarztbesuch dringend erforderlich.

Wie ist der Verlauf der Krankheit?

Zu Beginn zeigen sich keinerlei Symptome, die Krankheit kann nur mittels Ultraschall sicher diagnostiziert werden. Die Katze zeigt sich eigentlich gesund, evtl. kann der Tierarzt beim Abhören ein Herzgeräusch feststellen, aber das ist nicht immer der Fall.

Wie sieht die Therapie nun aus?

Das kommt immer auf das Stadium an. Wird die Krankheit früh erkannt (also wenn noch keine Symptome aufgetreten sind), ist i.d.R. keine Therapie notwendig.
Im symptomatischen Stadium (sobald also das erste Lungenödem/Thoraxerguss aufgetreten ist) muss mittels Medikamenten behandelt werden. Die Behandlung besteht meist aus einem entwässernden Medikament und einem kreislaufunterstützenden Medikament (ACE Hemmer). Liegen Herzrhythmusstörungen vor, müssen diese auch mit behandelt werden. In seltenen Fällen ist es notwendig, die Wasseransammlungen mittel Punktieren zu behandeln.
In jedem Fall muss aber die Katze DAUERHAFT therapiert werden.

Was kann ich also konkret noch tun?

RCM bedeutet die Lebensqualität zu erhalten. Das heißt: So lange alles die Katze macht, Spaß macht, soll sie es auch weiterhin tun. Kleine Ausnahmen sind z.B. das man keine salzigen Speisen der Katze mehr gibt (z.B. vom Tisch), zu viel Salz kann dem Herzen schaden. Auch sollte man die Katze nicht zu anstrengenden körperlichen Aktivitäten motivieren.
Gewöhnt euch bitte an die Ruheatemfrequenz zu ermitteln (ein Heben und Senken des Brustkorbs = 1 Atemzug). Diese sollte über eine Minute gezählt werden, am besten wenn die Katze schläft. Die Ruheatemfrequenz sollte unter 45/Minute liegen. Steigt die Frequenz dauerhaft an, kann dies ein Anzeichen auf Wasseransammlungen sein, dann sollte ein Tierarzt kontaktiert werden.
Weiterhin sollte man in regelmäßigen Abständen eine Folgeuntersuchung (Herzultraschall durch Kardiologen) durchführen lassen.

Wie sieht nun die Prognose aus?

Tja das ist so eine Sache, das wird niemand genau bestimmen können und dazu wird auch kaum jemand etwas schreiben. Die sog. mittlere Überlebenszeit ab dem symptomatischen Stadium beträgt ca. 5 Monate. Das kann natürlich absolut variieren und ist abhängig auch davon wie gut Katz die Medikamente verträgt und wie schwer die Krankheit schon ist.


Wie sah nun Meekos Verlauf aus?

Nun alles begann Ende April, Meeko hechelte und er pumpte (atmete) sehr schwer! Die TA vermutete eine Lungenentzündung (die Symptome sind eben ähnlich). Da es aber nicht besser wurde, ging es direkt 2 Tage später in die Tierklinik. Dort wurde erstmal geröntgt und festgestellt, dass er ein Lungenödem UND einen Thoraxerguss hat. Der Kardiologe machte ein Herzultraschall, nachdem man Meeko stabilisierte und man stellte RCM fest.
In dem Stadium (ein Lungenödem + Thoraxerguss gleichzeitig und das stark veränderte Herz) spricht man schon vom absoluten Endstadium. RCM ist nicht heilbar, das mussten wir uns auch klar machen. Die Prognose, aufgrund des schlechten Zustandes, betrug für uns 3-6 Monate. Andere Katzenhalter, von denen ich las, die aber alle nicht ein Lungenödem und Thoraxerguss gleichzeitig hatten, bekamen eine Prognose von ca. 12 Monaten.
Ich weiß, wie schrecklich diese Diagnose ist und wie hilflos man ist. Man darf aber nicht verzweifeln!!! Meeko reagierte in der Klinik sehr schnell auf die Behandlung und sein Zustand besserte sich, daher war es völlig klar, dass wir nicht aufgeben (auch wenn es hier keinen Kampf zu gewinnen gab). Nach einigen Tagen durfte Meeko dann mit einer Masse an Tabletten nach Hause. Wichtig: Ohne Tabletten reden wir hier nicht mehr von Monaten, das Herz konnte in diesem Stadium ohne Hilfe der Tabletten nicht mehr pumpen!
Meeko bekam zunächst Vetmedin (2x täglich) und Dimazon (3x täglich), ja es ist bedeutet auch ein Tablettenbuch zu führen, die Uhrzeiten aufzuschreiben, damit man z.B. bei Dimazon immer min. 8 Stunden Abstand einhält (bitte die Packungsbeilage lesen!!!).
Da sich Meeko Zustand schnell verbesserte, reduzierte man das Entwässerungsmedikament (Dimazon) auf 2x täglich. Die Rechnung kam prompt - Atemnot - Erhöhung der Einzeldosis war dabei wieder die Folge. Des Weiteren gab es noch zur Unterstützung 1x pro Tag Fortekor (ACE Hemmer).
Unser Alltag war eigentlich wie immer, okay mit einem Haufen Medikamenten, aber ansonsten hat man Meeko nichts angemerkt! Er spielte, er kuschelte, er fraß. Leider hatten wir nach 4 (oder 6) Wochen schon den ersten Zusammenbruch, das ist leider bei dem Stadium normal und er zeigte wieder Atemnot, ab in die Klinik, Meeko erholte sich innerhalb von 30 Minuten dank des Sauerstoffzeltes und es ging einige Tage später wieder Heim. Das Problem war auch zu dem Zeitpunkt die Hitze, die setzte natürlich noch zu. Die Medikamentendosierung wurde nochmal verändert (mehr Dimazon). Zuhause hatten wir keinerlei Probleme, wenn wir abends TV sahen und die Katzen bei uns schliefen, wurde nebenbei die Ruheatemfrequenz gezählt, kein großer Aufwand. Wieder 4 oder 6 Wochen später hatten wir den nächsten Zusammenbruch dank des Wetters, man machte das gleiche Prozedere wieder durch und was war? Ja genau, Meeko ging es wieder innerhalb kurzer Zeit gut.
Wichtig ist zu wissen, dass man ca. 3 Zusammenbrüche (je nach den Abständen) mit macht, man muss aber auf jedenfall reagieren! Die Katze bekommt innerhalb kurzer Zeit immer schlechter Luft und würde ersticken, wenn man nicht eingreift, ES WIRD NICHT VON SELBST BESSER!
Nachdem auch dieser Zusammenbruch überstanden war und wieder alles daheim super war und auch der Kardiologe mit seinem Herzen zufrieden war (soweit man das eben in solch einem Stadium sein kann), lebten wir wie immer. Man vergisst es auch irgendwie ganz schnell.
Im August war dann der 3. Zusammenbruch (natürlich 1 Tag bevor wir mal für 3 Tage in den Urlaub wollten ;) ). Und hierbei fragten uns die Ärzte schon, ob man ihn einschläfern lassen sollte. Der Zustand war mehr als kritisch und er hätte daheim nicht mal mehr ein paar Stunden lang überlebt.
Tja... da war sie also nun die unvermeidliche Frage. In dem Moment, sagten wir beide NEIN. Keine Ahnung warum, aber wir wussten es, das war es noch nicht. Sollte Meeko also nicht auf die Behandlung reagieren, so würden wir ihn einschläfern, aber er war noch nicht soweit. Das war aber auch der längste Klinikaufenthalt, leider.
Meeko kam wieder nach Hause und nun war das Unvermeidliche eingetreten: Der nächste Anfall wäre das Ende. Das nochmal vor Augen zu haben war das Schlimmste, denn damit war es irgendwie noch endgültiger. Und nachdem wir immer nach 4-6 Wochen einen Zusammenbruch hatten, war es irgendwie klar... Mitte Oktober, so dachten wir, wäre es dann soweit.
Meeko überraschte uns alle aber, gut, dass Wetter war auch kälter, ehrlich gesagt, wir dachten, er schafft es noch bis in den Sommer. Es kam aber leider anders. Die SMS kam, er hatte Atemnot, wir wussten es beide und leider konnten wir ihn nicht daheim erlösen. Aber Warten ist hierbei keine Option. Nochmal: HECHELN BEI EINER KATZE IST NICHT NORMAL; DIE ATMUNG WIRD NICHT VON ALLEINE WIEDER BESSER! Wir mussten also den unvermeidlichen Weg antreten. Und das was ich als nächstes schreibe ist nicht einfach und auch nicht schön, aber ich möchte es mir a) von der Seele schreiben und b) ich hätte es lesen wollen, um mich vorzubereiten.
Jeder, der ein geliebtes Tier schon mal einschläfern lassen musste, weiß, wie es von statten geht. Alles beginnt mit einer Narkose, welche dann letztlich überdosiert wird und das Tier schläft einfach ein. Bei einer Atemnot muss ich euch leider enttäuschen, einfach Einschlafen wird euer geliebtes Tier nicht. Leider setzt die Narkose dem Körper noch mehr zu, die Katze wird weiterhin starke Atemnot haben, meist noch brechen, es ist kein schöner Anblick. Der Kampf dauert verhältnismäßig lange. Doch meine Bitte an euch: Es ist absolut schrecklich mit anzusehen, aber bitte lasst euer Tier hier nicht allein. Ich bin mir sicher, dass Meeko wusste, dass wir da sind und wir ihm helfen konnten. Wir haben mit ihm gesprochen, haben ihm gesagt, dass er gehen kann, dass es in Ordnung ist. Es sind Bilder in meinem Kopf, die sind nicht schön, aber ich will das nicht missen.
Und wenn wir ehrlich sind: Die Tränen stoppten als sein Herz stoppte, es war absolut okay, er schenkte uns eine tolle Zeit und es war einfach in Ordnung.
Was kam dann für uns? Nun wir nahmen Meeko wieder mit Heim, Milo sollte sich verabschieden und das war auch gut so. Wir legten Meeko nochmal an seinen Lieblingsplatz vor der Heizung. Wir riefen das Krematorium an und eine liebe Frau holte ihn nach langen Gesprächen ab. 1 Woche später war er dann wieder daheim  :herz

Das Wichtigste, was wir mitgenommen haben:

  • Sofort handeln bei Atemnot!
  • Um eine verlässliche Diagnose zu stellen, muss ein Herzultraschall gemacht werden und das am besten von einem Kardiologen (zu finden hier: http://ig-hgk.de/html/kardiologenliste.html )
  • Medikamente sind unerlässlich! Das bedeutet auch die Organisation der Tablettengabe
  • Es geht um die Erhaltung von Lebensqualität, hätten wir je gemerkt, dass es ihm nicht gut ging, wäre das unser Zeichen gewesen
  • So schlimm es auch klingt: Vorbereitung ist alles. Mir half es ungemein schon nach der Diagnose zu wissen, wen kann ich im Fall der Fälle anrufen. Sogar die Urne hatten wir schon rausgesucht. Macht euch Gedanken über das Danach und auch über die Euthanasie und das Drumherum dessen.
  • Macht euch keine Gedanken über die Prognose, es hieß für uns 3-6 Monate und wir hatten 7 tolle Monate! Genießt jeden Tag!!!

Puh... das war jetzt ganz schön viel Text. Ich hoffe, dass es anderen Haltern hilft.
Ich weiß wie schrecklich diese Diagnose ist und ich wünsche sie keinem. Es ist einfach verdammt scheiße (entschuldigt bitte). Aber nichtsdestotrotz die Behandlung hat sich für uns gelohnt, ja es kostet einiges an Geld, aber das war uns weniger wichtig. Meeko hatte eine tolle Zeit und so blöd es klingt: Wir haben uns lange und ausführlich durch jede Streicheleinheit von ihm verabschiedet.

Wer Fragen hat, kann sich gerne per Mail bei mir melden, ich versuche alles so ausführlich wie möglich zu beantworten.

Wir haben dich lieb Meeko <3

Freitag, 18. Juli 2014

Tag 440 - Leben mit restriktiver Kardiomyopathie (RCM)

Hallo zusammen,

zunächst tut es mir Leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, mit dem Wissen, dass die eigene Katze jeden Augenblick ersticken kann, fokussiert man sich auf wenige wichtige Dinge. Das waren vor allem unsere Katzen und meine Prüfungen.

Ich möchte nun gerne alles nachfassen, was seit der Diagnose passiert ist.

Mein letzter Post (Tag 368) brachte uns mehr Gewissheit, eine Prognose, so schlimm sie auch war. Mit einem Lungenödem UND einem Thoraxerguss war es klar, dass die Prognose sehr schlecht ist. 3-6 Monate hieß es. Daran hielten wir fest.

Die Tage danach haben wir erstmal realisiert was es für uns heißt und es machte uns müde. Ich wollte mich nur noch verkriechen, wie ungerecht ist das bitte? Hat er nicht schon genug durchgemacht? Was macht man in so einer Situation? Wir haben uns dann auch mit dem Szenario auseinandergesetzt, wenn es soweit ist. Ein Krematorium haben wir uns ausgesucht - eine Urne hingegegen bis heute nicht.

Die Tablettengabe gestaltete sich meist ziemlich schwierig, so ist es doch immer von Meekos Laune abhängig. Zumal bei drei Tablettengaben am Tag wir oftmals nur sehr, sehr spät selbst ins Bett kamen.

Am 02.06.14 hatten wir dann unseren ersten Herzultraschall. Der Kardiologe war wirklich sehr nett, erklärte alles sehr ausführlich. Unser Kardiologe war sehr zufrieden und freute sich, hätte nicht gedacht, dass wir das so in den Griff bekommen. Die restriktive Kardiomyopathie war auf jedenfall im Griff (natürlich darf man das jetzt nicht allzu schön reden, denn es ist und bleibt ein schwerer Herzfehler). Er hatte kein Wasser mehr im Thorax und das Lungenödem ist weg. Es befand sich allerdings noch Wasser in den Wänden der Alveolen. Unser Arzt hat das sehr gut erklärt: Die Lunge ist wie ein Baum. Die einzelnen Äste haben viele Blätter, diese Blätter sind die Luftbläschen (Alveolen). Die Blätter stellen wir uns mal in 3D vor. Bei dem Lungenödem waren die Alveolen komplett mit Wasser gefüllt, das ist nicht mehr. Jetzt befindet sich "nur" noch in der Blätterwand Wasser, sprich die Blätterwände sind dicker geworden.

Das Herz sah im Ultraschall auch gut aus, also alles soweit okay, wie gesagt, es bleibt ein schwerer Herzfehler.

Es galt also weiter beobachten! Dimanzon (Entwässerungstabletten) durften wir ab Ende dieser/Anfang nächster Woche auf 2 mal täglich reduzieren, sollten ihn aber beobachten und brav weiter Atemfrequenzen zählen. Sobald es sich verschlechtern sollte, sollten wir nochmal kommen. Ansonsten würden wir uns in 3-6 Monaten sehen (was er als sehr optimistisch einschätzt - wir wissen alle um die Prognose mit so einem schweren Herzfehler).

Tja wir reduzierten also das Dimazon eine Woche darauf und es war kurz bevor es so heiß wurde. Die Tablettengabe mit 2 mal am Tag funktionierte aber dafür richtig gut.

Nicht mal 2 Wochen nach dem Termin und dem heißen Wetter brach Meeko wieder zusammen, pumpte wieder wie ein Maikäfer. Es ging wieder in die Klinik. Diagnose: Wieder viel mehr Wasser in der Lunge. Die Hitze verträgt er nicht, dazu die Reduzierung des Dimazon. Das war keine gute Kombination. Er blieb 2 Nächte in der Klinik unter dem Sauerstoffzelt und kam dann wieder Heim. Nun hieß es die Dosis von Dimazon drastisch zu erhöhen und bei heißem Wetter genau zu beobachten und viel Abkühlung zu bieten.

Dies taten wir auch, viele Wasserschüsseln in der Wohnung, ein Wäscheständer mit feuchten Laken, Rollladen tagsüber unten - es war auch ziemlich angenehm in der Wohnung.


Daheim war er wie immer schmusig und genießte seine Zeit. Sein neuster Spleen: Endlich den balkon richtig entdecken und im Blumenkübel schlafen - was solls - pflanz ich da eben nichts an ;)


Er genießte also seine Zeit, er schmuste, er schlief, er schnurrte. Bis gestern: Er brach wieder zusammen, es ist der 3. Zusammenbruch gewesen und leider in so kurzen Abständen. Ich bin sofort wieder in die Klinik, aber man machte mir nicht viele Hoffnungen. Er schreite schon, da er keine Luft bekam. Er kam natürlich wieder ins Sauerstoffzelt. Sollte er sich nicht innerhalb von 30 Minuten fangen und auf den Sauerstoff und die Medikamente reagieren, wäre es besser, ihn gehen zu lassen. Das wollte ich auf keinen Fall (natürlich würde ich ihn nicht leiden lassen!), wir haben mit unserer StammTA gesprochen, sie kommt zu uns, wenn es soweit ist, wir wollen, dass er bei uns daheim gehen kann. In Ruhe.

Meeko kämpfte mal wieder, sprach an. Aber die Ärzte sagten auch ganz klar was Sache ist: Auch wenn er jetzt anspricht, kann es sein, dass er uns in der Nacht die Entscheidung abnimmt. Es sieht sehr schlecht aus. Man versprach uns sofort anzurufen, ich war die ganze Nacht kaum am Schlafen, schaute immer wieder aufs Handy. Gegen 8 Uhr durfte ich anrufen und es war wie immer: Meeko ist ein Kämpfer! Er hat sich wieder gefangen, ihm geht es weitaus besser.Die Ärztin von gestern Abend meinte nur, dass es ihm erstaunlich gut ging und sie war sehr froh darüber. Seine Atmung ist besser, er hat Wasser in der Lunge (war klar), aber nicht im Thorax (das ist gut).
Er bekommt nochmal ein Herzultraschall und ich soll später nochmal anrufen.

Natürlich wissen wir um die Prognose und wir wissen, dass beim 4. Crash er eben nicht wieder in die Klinik kommt, sondern, dass dann unsere TA kommt. Es ist aber tröstlich zu wissen, dass wir ihm wahrscheinlich dies erfüllen können. Denn das wünsche ich mir sehr für ihn.

Wir hoffen also, dass Meeko morgen oder gar heute wieder Heim kommt. Aber das Wissen nun endgültig zu haben, dass es wahrscheinlich nicht mal mehr 4 Wochen sind, das möchte ich noch nicht wahr haben. Ein klein wenig tröstlich ist es für uns, dass wir so engagierte Ärzte um uns haben und dass sogar unsere TA den weiten Weg zu uns kommt, damit er bei uns gehen kann. 

Montag, 5. Mai 2014

Tag 366 - Zwischen Hoffnung, Angst und Panik

Heute komme ich wieder zum Schreiben und will die letzten Tage Revue passieren lassen.

Wie ich in meinem letzten Blogpost schon erzählte, zog sich Meeko zurück. Nachdem wir dachten Fortekor sei der Auslöser und dies mit Absprache der TA absetzten, wurde Meeko wieder munterer - dieser Verdacht hat sich aber leider nicht als wahr herausgestellt!

Letzte Woche Montag sagte mir mein Freund schon morgens, dass Meeko nicht zum Futter gekommen sei, ich solle ihn beobachten. Manchmal hat Meeko solche Tage, da hat er morgens schlechte Laune und schläft weiter - Mittags steht er dann laut maunzend da und will sein verspätetes Frühstück. Wir dachten uns erst also nix dabei. Gegen Mittag lag Meeko auch wieder auf den Esszimmerstühlen - also frei und offen - schlief - Siesta eben - und es schien in Ordnung. Den Tag verbrachte ich größtenteils vorm Rechner, am Lernen. Gegen 16:40 Uhr rief ich dann bei der TA an, musste ja noch Semintra für Milo abholen. Ich machte mich also fertig und sah, dass Meeko einfach so im Flur lag oO Ich ging näher, sprach ihn an, wollte ja nicht, dass er sich erschreckte. Keine Reaktion! Okay - sehr komisch, ich kam näher und Meeko lief sehr langsam vor mir weg. Ich hab mir schon meinen Teil gedacht, verfolgte ihn und konnte ihn einfach so hochheben - ein Unding normalerweise - er wehrte sich nicht bzw. machte keine Anstalten zu fliehen. So wie er war packte ich ihn gleich ein, rief nochmal die TA an und meinte es stimmt was nicht!!!

Wir kamen dann durch einen schrecklichen Verkehr erst um 17:45 Uhr in der Praxis an. Meeko pumpte wie ein Maikäfer und schrie im Auto mehrmals. Die TA untersuchte ihn und sagte gleich, dass es gut war, dass wir gekommen sind. Er pumpte wie verrückt und Lungengeräusche waren auch schon da. Sie tippte auf eine Lungenentzündung, nahm auch gleich für ein Blutbild Blut ab und es gab erstmal Infusionen und AB. Am nächsten Tag sollen wir sofort wiederkommen. Wir müssten die Blutergebnisse abwarten. Wenn sein Immunsystem, dank des FIV's, nicht mehr ist, brauchen wir nicht weiter machen, solch eine Infektion würde er nicht schaffen.

Da stand es nun im Raum: Einschläfern! Den Rückweg heulte ich die meiste Zeit - versuchte die Tränen so gut es ging aber zu unterdrücken - aber sobald ich an einer roten Ampel stand, war mein Gesicht tränenüberlaufen. Ich holte meinen Freund ab, erzählte ihm davon und er war auch am Boden zerstört. Wir machten uns Vorwürfe - warum haben wir die ersten Zeichen falsch interpretiert und hofften einfach so sehr, dass es das nicht war... So sollte es doch nicht zu Ende gehen.

Der Abend und die Nacht waren dementsprechend. Wir sind des Kämpfens müde - ist es ja nicht unser erster großer Kampf.

Am nächsten Morgen aber dann: Meeko kam wieder ins Bad, war total schmusig und glücklich. Futterte und dabei entstanden auch diese Bilder:


Es war uns beiden unbegreiflich wie er nun so super wieder hier vor uns sitzen konnte - hatte das AB tatsächlich angeschlagen? War alles nur halb so wild??? Ich sagte die Uni ab, konnte mich eh nicht konzentrieren und fieberte auf den TA Termin hin. Die TA kam extra für uns in die Praxis - sie hatte ja eigentlich geschlossen.

Die TA war erstaunt, dass es Meeko so gut ging, aber sie sah es ja selbst auch! Die Werte des Blutbildes waren auch nicht allzu schlecht - kein Grund auf jedenfall aufzugeben. Es gab wieder AB. Ich hörte Meeko auch ab und das Geräusch war weiterhin da, sie vermutete auch ein wenig Flüssigkeit in der Lunge. Er solle übers Wochenende alles abhusten und wenn was ist, die TA ist erreichbar. Wir waren also erstmal glücklich... erstmal...


Denn am nöchsten Tag - Mittwoch - sah alles viel schlimmer aus! Schon am Morgen pumpte er wieder, aber er sollte sich ausruhen, das müsse nun abklingen, AB gäbe es erst am nächsten Tag wieder. Ich kam nachmittags von der Uni wieder und selbes Szenario wie am Montag: Meeko lag da, pumpte kräftig. Ich steckte ihn erstmal in den Kennel, wir inhalierten, ich beruhigte ihn und wir riefen die TA. Sie kann leider nichts mehr machen, er brauche Sauerstoff, wenn es ihm jetzt auf einmal wieder so schlecht geht. In welche Klinik wir fahren würden. Gut da haben wir mehrere zur Auswahl - sie würde die Katzenklinik empfehlen. Wir also sofort angerufen und wir durften auch gleich kommen. Meeko wurde uns sofort am Eingang abgenommen, er kam sofort ins Sauerstoffzelt. Dann saßen wir erstmal da - klärten die Formalitäten. Wir saßen knappe 1,5 Stunden. Wir wussten nicht was mit Meeko ist. Versteht mich nicht falsch, ich fand es gut, dass die Klinik sofort reagiert hat, sich sofort um ihn gekümmert hat - aber ich hatte riesen Verlustängste! Ich dachte er stirbt.

An diesem Abend fuhren wir ohne Meeko und ohne Verabschiedung nach Hause - ich dachte das war es jetzt. Der Ärztin gaben wir alles was wir hatten, Vorgeschichte, Blutbilder, etc. Meeko war durch die Autofahrt auch so aufgeregt, dass er durchs Mäulchen atmete Wir mussten abwarten. Sie konnten ihn bisher nur abhören. Er musste sich beruhigen, damit ein Röntgenbild gemacht werden kann. Sie rufen an, wenn sich etwas ergibt. Sollten sie sich nicht melden, wäre es gut, dann sollten wir am nächsten Tag anrufen. Aber und das machte uns die Ärztin auch klar: Sein Zustand ist akut. Wir waren fix und fertig. Wie konnte ich meinen Kater so dort lassen? Was wäre, wenn er stirbt?

Als wir dann gegen 21 Uhr wieder daheim klingelte das Telefon! Die Katzenklinik! Aber keine Sorge, sie konnten wohl röntgen. Er hat ein Lungenödem, seine Lunge ist so voller Flüssigkeit, dass kaum noch belüftete Alveolen vorhanden sind (die Nacht zu Hause hätte er vermutlich gar nicht überstanden). Leider konnte man das Herz aufgrund der Flüssigkeit nicht sehen. Sie haben ihm erstmal eine Spritze zum Entwässern gegeben. Sobald er stabil ist von der Atmung und weniger Flüssigkeit in der Lunge ist, wird ein Ultraschall gemacht. Dort könnte man dann auch ggf. herausbekommen woher das Lungenödem kommt.

Mittlerweile war es Donnerstag, wir warteten immer bis zur angegebenen Zeit um anzurufen. Um 11 Uhr riefen wir an - Ärztin sei in einem Notfall (da Maifeiertag war, war auch nur eine Ärztin da), man ruft uns zurück. Um 14 Uhr immernoch kein Rückruf - ich probierte es nochmal. Meeko habe sich stabilisiert, aber nicht so weit, dass es nicht mehr kritisch sei. Seine Atmung ist besser geworden, aber nicht so gut, dass er aus dem Sauerstoffzelt rauskönnte, geschweige denn nach Hause. Er hat auch einen Venenzugang bekommen, weiterhin AB, Entwässerungsspritzen und Infusionen. Sie konnten einen ersten Blick aufs Herz mittels Ultraschall wagen, aber Meeko wollte nicht so und daher war es nur ein kurzer Blick. Es seien leichte/milde Herzveränderungen zu sehen sowie ein Thoraxerguss (Flüssigkeit zwischen Brustkorb und Lunge). Die Herzveränderungen seien aber nicht so stark, dass sie ein Lungenödem verantworten könnten. Er bleibt also weiterhin in der Klinik, in der Sauerstoffbox und sie wollen nochmal per Ultraschall nachsehen, wenn er sich weiter beruhigt. Am nächsten Tag könnten wir uns wieder um 11 Uhr melden.

Freitags dann das selbe Spiel, dieses Mal aber nur die Sprechstundenhilfe. Meeko sei munterer, hat gefressen, getrunken und Urin abgesetzt. Temperatur ist okay. Geräusche in der Lunge weiterhin verschärft. Sie haben ihn wieder geröngt und hat um 11:15 Uhr nochmal einen Termin zum Ultraschall. ich sollte nochmal um 14 Uhr anrufen, dann sei die Visite rum und ich könnte mit der Ärztin sprechen. Um 14 Uhr konnte die Ärztin wieder nicht sprechen, sie versprachen einen Rückruf - den bekam ich auch um 16 Uhr. Auf dem Röntgenbild ist zu erkennen, dass sich das Lungenödem zurück gebildet hat. Der Ultraschall hat ergeben, dass eine Herzveränderung da ist: eine Herzmuskelverdickung, restriktive Kardiomyopathie (RCM). Diese Verdickung ist auf jedenfall der Grund für den Thoraxerguss und auch für das Lungenödem (wobei später erläutert wurde, RCM ist für einen Teil des Lungenödems verantwortlich, bei diesem Ausmaß war aber auch noch eine Lungenentzündung im Spiel). Er bekommt weiterhin AB, ein Herzmedikamten und etwas zur Entwässerung. Den Sauerstoff konnten sie auch abstellen, da er soweit stabil war von der Atmung und sie wollten ihn noch eine Nacht beobachten. Am Samstagmorgen sollen wir um 10 Uhr nochmal anrufen, ggf. kann Meeko nach Hause!

Endlich ein kleiner Lichtblick!

Den Tag verbrachte ich damit mich über RCM zu informieren. Ich las div. Berichte von Tierärzten und Katzenhaltern, alle waren nicht berauschend. Die Tierärzte sprachen von 5-12 Monaten nach dem Ausbruch. Bei den Katzenhaltern war meist nach 2-3 Monaten leider schon Schluß. Das dämpfte unsere Stimmung ungemein. Mittlerweile war aber unser Ziel: Meeko muss nach Hause, Meeko braucht noch Streicheleinheiten und wir müssen uns von ihm verabschieden!

Samstags rief ich natürlich wieder Punkt 10 Uhr an, leider aber musste er wieder in die Sauerstoffbox, sie haben ihn erst am Morgen wieder rausgeholt, wollten ihn nochmal beobachten. Wir sollen um 12 Uhr nochmal anrufen.

Vor lauter Erschöpfung - die Nächte waren der Horror - schlief ich nochmal ein und rief erst um 12:40 Uhr wieder an - geht keiner ran. Erst um 13:00 Uhr erreichte ich jemanden. Meeko darf Heim, wir sollen um 14:15 Uhr in der Klinik sein. Wir sind natürlich sofort los, um dann erstmal 1,5 Stunden zu warten. Dann kamen wir endlich dran und dort stand der Kennel mit unserem Bub. Ich war erstmal glücklich, auch wenn Meeko schrecklich aussah - man sah es ihm einfach an, dass die letzten Tage auch für ihn eine Tortur waren. Es gab eine Menge Tabletten mit (Vetmedin fürs Herz, Dimazon zum Entwässern und AB) und natürlich eine saftige Rechnung. Aber wir konnten endlich Heim!!!

Zuhause angekommen wollte Meeko sofort raus. Er erkundete erstmal die Wohnung und keine Minute später stand er bei uns in der Küche und maunzte uns futterfordernd an. Also gabs eine Kleinigkeit - wollten ja nicht, dass er sich übernimmt. Und er hat erstmal reingehauen!!! Wir zerbrachen uns natürlich den Kopf über die Tablettengabe. Einfangen und einflößen ist eben nicht. Wenn Meeko nen schlechten Tag hat, kommt er eben auch mal nicht zum Futtern. Und kommt erst später...

Unser wichtigstes Ziel also: Meeko soll ein schönes Leben haben, egal wie lange es noch geht. Und vor allem ohne Stress! Wenn ohne Stress bedeutet, weniger Medikamten, weil wir ihn sonst fangen müssten, dann ist es so. Er soll kuscheln, wann er will, fressen, wann er will und schlafen, wann er will. Er soll nicht in Angst und Schrecken leben, dass gleich ihn wieder jemand einfängt.

Wir haben nun am Dienstag einen Kontrolltermin in der Klinik, in 4 Wochen dann beim Kardiologen in der Klinik. Es heißt abwarten. Wir haben aber unseren Frieden geschlossen, so schlimm es klingen mag, wir sind soweit vorbereitet wie man es sein kann. Wir genießen jeden Tag mit Meeko umso mehr, etwas das man eigentlich immer machen sollte, aber doch manchmal untergeht. Wir sind tottraurig, dass Meeko nun auch noch zu seinen jetztigen Diagnosen noch solch eine Diagnose bekommen hat. Doch wir wollen nicht weinen, wir sind froh, dass wir ihn erstmal wieder haben und er zeigt uns das indem er heute zum Beispiel neben mich auf die Couch hüpfte und sich streicheln ließ.